Pferd und Wald: Rheinland-Pfalz lockt Reiter-Touristen mit Natur, Kultur und endlosen Wegen
Wo immer mehr Menschen auf immer weniger Raum zusammen leben ist Rücksicht gefragt. Das gilt vor allem im Blick auf den Wunsch nach einer aktiven Freizeitgestaltung in der Natur. Doch während andere Bundesländer tief in die Trickkiste der Gesetzgebung greifen, um Wald und Flur vor den Folgen der wochenendlichen Stadtflucht zu schützen, setzt Rheinland-Pfalz erfolgreich auf das gegenseitige Verständnis der unterschiedlichen Interessen. Tatsächlich regt sich im Pfälzer Wald kaum ein Wanderer über Fahrradfahrer auf, die unvermutet und auf grobstolligen Reifen hinter der nächsten Wegbiegung auftauchen und Freizeitreiter, die ihre vierbeinigen Sportsfreunde sommertags an idyllischen Dorfbrunnen in der Pfalz, auf dem Hunsrück, in Eifel oder Westerwald tränken, sind keine Seltenheit.
„Der Ton macht die Musik“, sagt Manfred Weick. Der ehemalige Breitensportbeauftragte des Pferdesportverbandes Rheinland-Pfalz (PSVRP) ist davon überzeugt, dass sich die Aufklärungsarbeit auszahlt, die der Verband seit Mitte der 1980er Jahre gemeinsam mit Vertretern des Landwirtschafts-Ministeriums in Mainz und Fachleuten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) leistet. Manfred Weick: „Rheinland-Pfalz gehört zu den wenigen Bundesländern, in denen das Begehen von Natur belassenen Wirtschaftswegen für Reiter nahezu uneingeschränkt möglich ist.“ In der Folge hat sich das Bundesland zu einem Mekka für Freizeitreiter aus ganz Deutschland entwickelt. Gleichzeitig sind zahlreiche Initiativen entstanden, deren Ziel es ist, den sanften Tourismus zu Pferd in ihren jeweiligen Regionen zu fördern. Dass die Mitglieder zudem darauf achten, dass zwei- und vierbeinige Besucher die Regeln von gegenseitiger Rücksichtnahme und aktivem Natur- und Umweltschutz verstehen und einhalten, ist, so Manfred Weick, beinahe selbstverständlich.
Für Freizeit- und Wanderreiter besonders attraktiv ist dabei das Grenzland im Westen von Rheinland-Pfalz. Die Region zwischen Kaiserslautern, Zweibrücken, Landau und Neustadt zählt zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten in Deutschland. Ein für Reiter beinahe uneingeschränkt nutzbares Wegenetz erstreckt sich dabei auch jenseits der Grenze, weit nach Lothringen und in den Naturpark der Nordvogesen.
„Die unberührte Natur ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im Biosphärenreservat Pfälzerwald“, sagt Thomas Wollenweber. Der 46-Jährige ist Bürgermeister der Stadt Annweiler am Trifels. Im Jahre 1086 erstmals urkundlich erwähnt, ist Annweiler, neben der nur wenige Kilometer entfernten gelegenen Dom-Metropole Speyer, die zweitälteste Stadt der Pfalz. Touristen aus aller Welt locken Wein und Mandelblüte, Kletterfelsen, Wanderwege und – beinahe ganzjährig - die Spuren einer wechselvollen Geschichte im Grenzland zwischen Frankreich und Deutschland.
Dass nun auch immer mehr Freizeitreiter die Vorzüge der Region entdecken, freut Thomas Wollenweber besonders. Pünktlich zum Abschluss der Pferdemesse „Equitana“ hatte sich in Annweiler eine Initiative gegründet, die Reit- und Seminarangebote nach den Richtlinien des rheinland-pfälzischen Pferdesportverbandes organisiert. Nach Auskunft eines Sprecherd der „Initiative Grenzland-Reiter“ gehört es zu den Zielen des Projektes, vor allem Privatreiter für das PSVRP-Konzept von aktivem Naturschutz und gegenseitiger Rücksichtnahme in Wald und Flur zu gewinnen.