Naturführer zu Pferd: Zertifikats-Ausbildung qualifiziert Rittführer als Partner für Umwelt und Urlaub
Die Ausbildung zum Berittenen Naturführer hilft einen Graben zu schließen der über Jahrzehnte, vor allem die ländlichen Regionen der Republik, in zwei Lager gespalten hat: Die Rede ist von Freizeitreitern und dem nicht berittenen Teil der Bevölkerung, der Pferden und Reitern mit oft berechtigtem Misstrauen entgegen getreten war. Einen weiteren, wesentlichen Beitrag leistet die bundesweit anerkannte Zertifikats-Ausbildung auch im Blick auf die bislang kaum wahrnehmbaren, qualifizierten Angebote für Reiter-Touristen in Deutschland. Letztere bilden eine Zielgruppe, die in dem Maße an Bedeutung gewinnt, in dem immer mehr Turnierreiter entdecken, dass sich die natürlichen Anlagen ihrer Pferde weniger in Reitbahn- und Gitterbox, sondern in der freien Natur entfalten und dass qualitativ hochwertige und entsprechend organisierte Reiterreisen nur wenig mit dem Bild des unrasierten Naturburschen auf struppigem Wanderreit-Pony zu tun haben.
„Weil Reiter zudem in der Lage sind, in kürzerer Zeit größere Strecken zurück zu legen, als dies zum Beispiel einem Wanderer möglich ist und weil sich die Welt vom Rücken eines Pferdes in einem anderen Blickwinkel darstellt, gibt es zwei wesentliche Unterschiede zu der Ausbildung unserer Naturführer ‚zu Fuß’“, sagt Antje van Look. Bei der Volkshochschule in Neustadt an der Weinstraße ist die Projektleiterin federführend an der Planung von Lerninhalte in der Ausbildung von Natur- und Landschaftsführern in ganz Deutschland beteiligt. Van Look: „Naturführer zu Fuß werden gezielt auf den Einsatz in überschaubaren Naturräumen vorbereitet.“ Das Ergebnis ist ein hoch spezialisiertes Fachwissen über die Entstehungsgeschichte, zum Beispiel der Rheinebene zwischen Karlsruhe und Mannheim, Teile des Pfälzerwaldes oder einzelner Schwarzwald-Regionen. Da sich die Ausbildung zum Berittenen Naturführer aber an Reiter aus allen Bundesländern richtet zielen die Lerninhalte darauf, das Verständnis für Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Fachbereichen zu vermitteln: Antje van Look: „Natürlich arbeiten wir exemplarisch mit den Gegebenheiten in unserer Region. Wer aber versteht, welchen Einfluss die urgeschichtliche Verformung der Erdkruste auf unsere heutigen Landschaftsbilder genommen hat und weiß, dass diese Landschaftsbilder von einer individuellen Tier- und Pflanzenwelt geprägt sind, die die menschliche Siedlungsgeschichte bis heute beeinflussen, kann dieses Wissen überall einsetzen.“
Angereichert um Hinweise auf Besonderheiten in der Entstehungs- und Kulturgeschichte, die sich zum Beispiel aus regionalen Sagen ergeben können, Eigenheiten von Bauweisen und Siedlungsformen, aber auch um Hintergrundwissen über die Ausweisung und den Sinn von Schutzgebieten, qualifiziert die Ausbildung den Berittenen Naturführer zu einem Ansprechpartner gleichermaßen für Forst- und Touristikbehörden, Umweltschützer, Freizeitreiter und die Inhaber von Reitbetrieben in der Region. Antje van Look: „Unser Ziel ist es, die individuellen Kontaktnetze der Teilnehmer gezielt um solche Ansprechpartner zu ergänzen, die die künftigen Berittenen Naturführer dazu in die Lage versetzen, sowohl eigene, reiterliche Angebote auf hohem Niveau vorzustellen, als auch mit eventuell vorhandenen Natur- und Landschaftsführern in ihren Heimatregionen zu kooperieren. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Forst-Verwaltungen, von Umwelt- und Naturschutzverbänden können so tragfähige Netze entstehen, die helfen, den Platz von Pferden und Reitern in der Natur - als wichtige Boschafter eine jahrtausende alten gemeinsame Kulturgeschichte - für kommende Generationen zu bewahren.
Die Ausbildung zum Berittenen Naturführer wird gefördert über das Projekt „Regio Akademie“ bei der VHS Neustadt/Weinstraße, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Ministeriums für Arbeit Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen in Rheinland Pfalz.