Biosphärenreservat: Pfälzerwald bietet Chancen für sanften Tourismus am Rande der Stadt

„Wem bei dem Gedanken an die endlos scheinenden Forstflächen im Grenzgebiet zwischen Frankreich und dem westlichen Rheinland-Pfalz Stichworte wie ‚Urwald’ oder ‚Primärwald’ in den Sinn kommen, ist auf dem Holzweg“, sagt Petra Schnellhammer. Die 43-Jährige ist davon überzeugt, dass sich die wenigsten Besucher des Biosphären-Reservates Gedanken darüber machen, dass der heutige Pfälzerwald das Ergebnis einer Jahrhunderte langen Forst- und Siedlungsarbeit ist. Heraus gekommen ist ein empfindliches Gleichgewicht, das die Interessen von Mensch, Tier und Natur gleichermaßen berücksichtigt. „Eine unbedachte Nutzung bringt dieses Gleichgewicht in Gefahr“, sagt Schnellhammer. Die Motivationstrainerin gehört zu den Gründern der Initiative Grenzland-Reiter, die sich im Umland der Trifels-Stadt Annweiler zusammengefunden hat, um zur Förderung eines sanften Reiter-Tourismus in der Region beizutragen. Dabei komme Begriffen wie „Nachhaltigkeit“ und „Umweltschutz“ eine besondere Bedeutung zu.

„Auch dem Wachsen in der Natur sind Grenzen gesetzt“, sagt Schnellhammer. Nicht nur in Süd- und Mittelamerika fallen einmalige Naturlandschaften der Motorsäge zum Opfer, um die europäische Konsumgesellschaft mit kurzlebigen Produkten zu versorgen. Auch in Kanada, den USA, Finnland und Norwegen seien die letzten Urwälder - und damit ein wichtiges Erbe der Erde - bedroht. Petra Schnellhammer. „Für uns war es ein besonderer Tag, als bekannt wurde, dass die russische Regierung den Kalevalski-Urwald im finnischen Grenzgebiet unter dauerhaften Schutz gestellt hat.“ Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte seit 1995 für den Erhalt des Waldes gekämpft, der, mit einer Fläche von 74.000 Hektar, dreimal so groß ist, wie der Nationalpark Bayerischer Wald.

Als „wertvolle Reserven“ bezeichnet Schnellhammer auch die verbliebenen Natur-Flächen im Umland der deutschen Ballungsgebiete. „Wer in Landau, Bad Bergzabern oder Deidesheim lebt, vergisst leicht, dass der Pfälzerwald im direkten Einzugsbereich von Mannheim, Ludwigshafen und den Zentren der Metropolregion Rhein-Neckar liegt“, sagt Schnellhammer. Zu tausenden Nah-Erholung-Suchenden kommen unzählige Touristen, die die vorgeblich unberührte Natur des Biosphären-Reservates per Fahrrad, Fuß oder Pferd erkunden. Vor allem an letztere richten sich die Angebote der Grenzlandreiter. Schnellhammer: „Wer auf Pirschpfaden reitet, über fremde Wiesen und Äcker galoppiert oder Pferdeäpfel auf dem Bürgersteig hinterlässt, schadet dem Ansehen jedes Pferde-Freundes in der Öffentlichkeit.“ Möglichem „Wildwuchs“ begegnen die Grenzlandreiter durch eine umfassende Aufklärung und Lehrgangsangebote. Der nächste Lehrgang für Berittene Naturführer beginnt im Januar 2010. Informationen bietet eine eigene Internetseite; www.Berittene-Naturfuehrer.de

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